Neue Forschung zur Moorleiche

Wissenschaftler wollen Kleidung und Lebenswelt des Mannes von Bernuthsfeld entschlüsseln.

Nehmen die gut erhaltene Kleidung der Moorleiche „Bernie“ aus dem Ostfriesischen Landesmuseum in Emden unter die Lupe: Christina Peek, Dr. Susan Möller-Wiering und Professor Hauke Jöns, die Teil des Forschungsteams sind.

Emden. Die Moorleiche „Bernie“ im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden birgt noch manches Rätsel. Jetzt untersucht eine Forschergruppe die Kleidung des Mannes vom Bernuthsfeld. Das interdisziplinäre Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Hauke Jöns vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) widmet sich seit November einem der bedeutendsten archäologischen Funde Norddeutschlands.

Die 1907 im Moor bei Tannenhausen (Landkreis Aurich) von zwei Torfstechern entdeckte Bestattung ist einzigartig: Der vor mittlerweile rund 1300 Jahren Verstorbene war vollständig bekleidet beigesetzt worden – seine Bekleidung aus Schafwolle gilt als eines der am besten erhaltenen Kleidungsensembles des frühen Mittelalters in Europa. Insbesondere an das aus Dutzenden Gewebefragmenten sorgfältig zusammengesetzte Hemd knüpfen sich zahlreiche Fragen. Das Projektteam möchte nun mit neuesten natur- und geisteswissenschaftlichen Methoden rekonstruieren, wer dieser Mann war, wie er lebte, wo und wann die Gewebe hergestellt wurden und welche Bedeutung seine Kleidung hatte.

Ziel ist eine umfassende wissenschaftliche Neubewertung des einzigartigen Fundes. Die Forschenden kombinieren textilarchäologische, chemische und isotopenanalytische Verfahren, um die Herkunft der Stoffe, ihre Herstellung und Färbung, die Nutzung und Reparaturen sowie darüber hinaus die gesellschaftliche Stellung des Mannes zu erforschen. Die Ergebnisse werden in einem multimedialen Bestandskatalog veröffentlicht und allen Interessierten zugänglich gemacht.

„Die Kleidung des Mannes von Bernuthsfeld ist ein Fenster in die frühmittelalterliche Alltagswelt“, so die Textilarchäologin Dr. Susan Möller-Wiering. „Sie erzählt von handwerklicher Präzision, nachhaltiger Nutzung und sozialer Bedeutung textiler Erzeugnisse – Themen, die auch heute hochaktuell sind.“

Das dreijährige Projekt wird vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert und vom Kunst- und Kulturverein 1820dieKUNST in Emden unterstützt, der die in seinem Besitz befindlichen Objekte für das Vorhaben zur Verfügung stellt. Beteiligt sind sechs Institutionen und Museen: das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK), das Ostfriesische Landesmuseum Emden, die Ostfriesische Landschaft Aurich, die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie Mannheim und das Deutsche Textilmuseum Krefeld.